Die industrialisierte Welt ist insgesamt strukturell überschuldet und wachstumsschwach. Politik und Notenbanken schieben diese Probleme auf die lange Bank. Nullzinsen und Liquiditätsschwemmen schaffen eine künstliche Welt, ineffiziente politische und wirtschaftliche Strukturen werden am Leben erhalten. Je länger die Probleme ungelöst bleiben und die Abhängigkeit vom billigen Geld andauert, desto grösser wird das Risiko von unkontrollierten Entwicklungen. Wir nennen dieses Szenario der Welt unter der Käseglocke «Aussitzen und Wursteln».

1. Billiges Geld löst Probleme nicht

In den letzten Jahren haben die grossen Notenbanken ihre Leitzinsen beinahe bis auf null oder gar unter null gesenkt. Diese Liquiditätsfluten haben die Situation in den Industrieländern jedoch nicht verbessert. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen scheint immer mehr ausgereizt. Deswegen intervenieren die Notenbanken mit unkonventionellen Massnahmen, wie dem Aufkauf von Staatsanleihen. Doch das reduziert weder die Staatsschulden noch schafft es Wirtschaftswachstum. Die Probleme werden lediglich in die Zukunft verschoben.

2. «Rettungspakete» werden immer grösser

Von grundlegenden Reformen – im Wesentlichen geht es um Einsparungen bei den Staatshaushalten und eine Liberalisierung der Märkte – ist bisher nur wenig zu sehen. Mit den unzähligen Rettungspaketen für Krisenländer gewinnt die Politik Zeit, mehr nicht. In Wahrheit werden aber ineffiziente Wirtschaftsstrukturen nur künstlich am Leben erhalten.

3. Liquiditätsschwemmen bringen kein Wachstum
3. Liquiditätsschwemmen bringen kein Wachstum

Trotz des unermüdlichen Interventionismus der Notenbanken und immer grösserer Rettungspakete der Politik stagniert das Wirtschaftswachstum. Das billige Geld gelangt nicht in die Realwirtschaft und vermag kein Wachstum auszulösen. Die Industriestaaten wachsen deutlich unter ihrem Potential.

Liquiditaetschwemme
4. Staatsschulden nehmen zu

Ein grosser Teil der industrialisierten Welt ist überschuldet, weil die Staaten eine Sanierung ihrer Haushalte auf die lange Bank schieben. Offizielle (explizite) Schuldenzahlen sagen nur die halbe Wahrheit. Werden implizite Verbindlichkeiten wie zukünftige Ausgaben für Renten- oder Gesundheitssysteme berücksichtigt, sieht das Bild noch düsterer aus. Unter diesem Aspekt sind die USA gar stärker verschuldet als Griechenland.

5. Folgen der Überalterung werden nicht entschärft

Die Menschen werden immer älter. Das ist einerseits erfreulich, belastet andererseits aber die Vorsorgewerke. Besonders in den entwickelten Ländern kommen auf einen Rentner immer weniger Erwerbstätige. So lange die Rentensysteme nicht reformiert werden, leben Rentner auf Kosten der jüngeren Generationen. Der für den langfristigen Zusammenhalt der Gesellschaft wichtige "Generationenvertrag" scheint in Gefahr.

6. Blasen drohen zu entstehen

Die geldpolitischen Stimulierungsmassnahmen schaffen eine künstliche Welt und führen zu verzerrten Preisen. Erste Nebenwirkungen der Politik des billigen Geldes treten bereits heute auf: Die Tiefstzinspolitik, die Hypotheken erschwinglicher macht, lässt die Nachfrage nach Immobilien in einigen Städten und Ballungsräumen in wirtschaftsstarken Ländern wie Deutschland markant steigen – und mit ihr die Preise. Kollateralschäden in Form von Blasen drohen.

7. Die Finanzmärkte freut’s
7. Die Finanzmärkte freut’s

Die Tiefstzinspolitik der Notenbanken ermöglicht Ländern und Unternehmen eine günstige Refinanzierung ihrer Schulden. Keine Freude an den Nullzinsen haben aber Sparer und Personen mit einem Bedarf für kurzfristige und sichere Anlagen. Sie werden für das Risiko nicht mehr angemessen entschädigt. Die Konsequenz ist ein sich zunehmend verschärfender "Anlagenotstand" im festverzinslichen Bereich. Derweil unterstützt das viele billige Geld der grossen Notenbanken natürlich auch die Börsen. Vorerst sind die Aktienmärkte im historischen Vergleich dennoch fair bewertet oder zumindest nicht stark überbewertet.