AUSSITZEN UND WURSTELN

Was, wenn Politik und Notenbanken die Probleme in die Zukunft verschieben?

Bei diesem Szenario werden die Probleme der überschuldeten Staaten nicht gelöst, sondern lediglich in die Zukunft verschoben. Eine Sanierung der Staatshaushalte findet nicht statt, wodurch Unsicherheiten aufgrund der hohen Verschuldung bestehen bleiben oder gar noch zunehmen.

 

Die Politik und Notenbanken schaffen eine künstliche Welt, die zu Verzerrungen im Preisgefüge und an den Märkten führt. Die weiterhin expansive Geldpolitik der Notenbanken sowie die immer grösseren Rettungspakete der Politik führen zu Blasenbildungen und einer Abkoppelung von der Realwirtschaft. Die strukturellen Schwächen in den Peripherieländern werden nur unzureichend angegangen und die Diskrepanzen zwischen Nord- und Südeuropa nehmen weiter zu.

 

Trotz des starken politischen Interventionismus stagniert das Wachstum und nur wenige wirtschaftlich starke Länder verzeichnen positive Wachstumsraten.

 

Je länger die strukturellen Probleme ungelöst bleiben, desto fragiler wird die politische und wirtschaftliche Situation und desto stärker steigt das Risiko eines Abdriftens in das Szenario «Roter Abgrund».

HISTORISCHES BEISPIEL

  • Japan
    Japan, 90er Jahre – das verlorene Jahrzehnt

    In den 80er Jahren glänzte die japanische Volkswirtschaft mit starkem Wachstum, Vollbeschäftigung und technischer Innovationskraft. Japan wurde zum Motor der Weltwirtschaft hochgejubelt und als Wirtschaftswunder gepriesen. Doch dann setzten extensive Währungsspekulationen die japanische Währung unter Druck und anfangs der 90er Jahre platzte die Immobilienblase. Die Regierung ergriff eine Reihe von Massnahmen wie staatliche Konjunkturprogramme, doch die Lösung der eigentlichen Probleme der japanischen Wirtschaft, wie etwa die riesige Anhäufung von faulen Krediten in den Bankbilanzen, wurde hinausgeschoben. So erstaunt es nicht, dass die geld- und fiskalpolitischen Massnahmen ohne Erfolg verpufften. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Flaute brachen gegen Ende der 90er Jahre sowohl der Konsum als auch die privaten Investitionen ein. Japan stürzte in eine Rezession und wurde von einer teuflischen Deflationsspirale erfasst.

     

    ... und heute?
    Mittlerweile ist die Staatsverschuldung Japans die höchste der Welt. Jüngst hat die japanische Notenbank ein unlimitiertes Wertpapierkaufprogramm ins Leben gerufen, um das Land aus der zwei Jahrzehnte währenden Deflationsspirale zu führen. Zudem sollen enorme staatliche Konjunkturprogramme die Wirtschaft ankurbeln. Die Massnahmen zeigen erste Wirkung – die Wirtschaft wächst. Doch es stellt sich die Frage, wie nachhaltig dieser Effekt sein wird. Ohne enormen politischen Willen zu wirksamen Reformen von Wirtschaft und Staatshaushalt wird das Land der aufgehenden Sonne wahrscheinlich nur teuer erkaufte Zeit gewinnen.